Für anspruchsvolle Formen

Der neue Kunststoffformenstahl XPM

Wenn es um Formen für Kunststoff geht, steigen die Anforderungen an die Stahlerzeuger permanent. Die Werkzeugstahl-Spezialisten bei den Schmiedewerken Gröditz haben dafür ein neues Stahlkonzept entwickelt: den hochfesten vorvergüteten Kunststoffformenstahl XPM, der auch für größte Formen und Wandstärken geeignet ist.

Formen für Teile aus Kunststoff werden aus Stahl hergestellt – und immer größer. Die Folge: Die bisherigen Stahlstandards sind für die neuen Qualitätsansprüche nicht ausreichend, wie der Werkzeugstahl 1.2738, der sich als die Standardgüte für den hochwertigen Kunststoffformenbau etabliert hat und zunehmend an physikalische Grenzen stößt. Diese beinhalten zum Beispiel Inhomogenitäten des Materials, ein schlechtes Narbverhalten oder Bearbeitungsprobleme. 


XPM erobert den Markt

Die Lösung: der neue vorvergütete Kunststoffformenstahl XPM, der deutlich härter ist und bis zu 42 HRC erreicht. XPM ist eine Weiterentwicklung der Basisgüte 1.2738, aber mit veränderter chemischer Zusammensetzung und angepasster Wärmebehandlung im Stahlwerk. Gegenüber herkömmlichen Stahlkonzepten mit anschließender Härtung an der fertigen Form lässt sich eine Form aus dem vorvergüteten XPM-Stahl erheblich zeitsparender und damit kostengünstiger herstellen. Bedingt durch das deutlich abgesenkte C-Äquivalent ist die Schweißbarkeit von XPM gegenüber 1.2738 merklich verbessert, sodass es nur geringere Aufhärtungseffekte gibt. Das senkt die Gefahr für Unternahtrisse und bei kleineren Reparaturen kann kalt geschweißt werden. Die Wärmeleitfähigkeit von XPM ist gegenüber 1.2738 höher – eine Eigenschaft, die Spritzgießzyklen beschleunigt. Damit ist der Kunststoffformenstahl XPM für zahlreiche Anwendungsbereiche geeignet, wie zum Beispiel in der Automobilindustrie. 


Verbesserte Zähigkeiten

Als Folge des modifizierten Legierungskonzepts und der speziellen Wärmebehandlungstechnologie ist das Gefüge des Stahls XPM seigerungsarm und homogen. Die Gefügestruktur ist weitestgehend gleichmäßig im gesamten Blockvolumen – selbst bei extremen Abmessungen. Mit Absenken des Kohlenstoffgehalts und durch den Einsatz der Mikrolegierungstechnologie kann die Zähigkeit gesteigert werden, die gleichzeitig die Einstellung höherer Festigkeiten erlaubt. Verbesserte Zähigkeiten bedeuten außerdem eine geringere Rissgefahr für das Werkzeug unter kritischen Betriebsbedingungen. 


XPM in zwei Versionen

XPM-Stahl wird im Detail stetig weiter verbessert: Der Kunststoffformenstahl ist aktuell in zwei Härtebereichen verfügbar – mit 34 bis 38 HRC und 38 bis 42 HRC. Die hohe Reinheit und Homogenität des Stahls führt zu einer gleichmäßigen und verbesserten Zerspanbarkeit. Die Bearbeitbarkeit ist unter Anpassung der Bearbeitungsparameter bis zu einer Härte von 42 HRC möglich. Wegen der niedrigen Eigenspannungen ist ein Zwischenentspannen in der Regel nicht erforderlich. Darüber hinaus führen die höhere Homogenität und gleichmäßige Härte zu sehr guter Narbfähigkeit und Polierbarkeit. XPM mit 42 HRC erreicht sogar Hochglanzpolierbarkeit. Extreme Qualitätssicherheit bietet die Sondergüte XPM VICTORY ESU. Die Abkürzung steht für den Elektroschlacke-Umschmelzprozess, der höchste Reinheit und Homogenität sicherstellt. Diese Güte eignet sich besonders gut für Formen mit Spiegelglanzpolituren. 


Vielfältige Anwendungsgebiete

Einsatzgebiete für XPM-Formen sind beispielsweise anspruchsvolle Kunststoffteile mit genarbter Oberfläche für Interior-Komponenten im Premium-Automobilbau sowie große Kunststoffteile im Exterior-Bereich wie Stoßfänger, Kotflügel oder Heckdeckel. Die hervorragende Polierbarkeit prädestiniert XPM VICTORY ESU für hochglanzpolierte Formen: zum Beispiel für Automobil-Scheinwerferkomponenten oder Sichtteile der Unterhaltungselektronik. Ein weiteres Anwendungsgebiet für XPM-Kunststoffformenstahl, das zunehmend an Bedeutung gewinnt, sind große Kunststoffpressformen bei der Verarbeitung verstärkter Kunststoffe. 

XPM: Stahl für Kunststoffformen in zwei Varianten

XPM zeichnet sich selbst bei extremen Abmessungen durch eine weitgehend gleichmäßige Gefügestruktur aus. Die Homogenität des Stahls führt zu einer verbesserten Zerspanbarkeit sowie Zähigkeit und beinhaltet so eine geringere Rissgefahr.

Die Sondergüte XPM VICTORY ESU bietet eine erstklassige Qualitätssicherheit. Diese Güte eignet sich besonders gut für Formen mit Spiegelglanzpolituren.